Du hast mglw. “rechter” als Du glaubst.
Vor 3 Monaten kam mein (damals noch nicht ganz) 16jähriger Sohn auf
den Trichter: “Will LAN-Party machen”. Nach reiflicher Überlegung
haben wir bei uns im Nebengebäude einen geeigneten Platz für ein
knappes Dutzend Kids mit PC geschaffen. Obwohl ich wusste, dass da
auch einige Nasen kommen werden, deren Wertschätzung durch mich sich
sehr in Grenzen hielt.
Tückischerweise erreichte man den Ort des Geschehens nur über eine
recht steile und damit alkoholinkompatible Leiter.
Das Alter der sich dort versammeln Wollenden lag zwischen 14 und 18.
Zwecks Absicherung durften die unter 18jährigen ein Permit ihrer
ELtern mitbringen, das mich von der Verantwortung freistellte, was
die Kids auf der LAN machen, und was sie u.U. im Internet (das
erreichbar war) sich ansehen würden – ich denke garnicht daran, dem
COntentfilter unseres Proxy beizubringen, den Zugriff auf
“www.essex.co.uk” zu sperren.
Anyway – die auf 3 Tage angesetzte Party war offenbar ein guter
Erfolg (sonst wäre sie nicht inzwischen zweimal wiederholt worden,
schätze ich). Ich weiss nicht, inwieweit meine sehr kurzgefasst
Begrüssungsrede daran teilhatte:
“Hallo und welcome. Nur dies: a) Ihr wisst wo das Klo ist – benutzt
es; verwechselt jemand den Garten mit dem Pinkelbecken werde ich
sauer. b) erwische ich jemanden randalierend, torkelnd, lallend oder
anderweitig zugedröhnt, werde ich sauer. c) hier auf dem Grundstück
leben auch noch andere Menschen, und die wollen nachts u.U. schlafen
- nehmt dabei etwas Rücksicht, sonst werde ich sauer. Und die Lösung
des Ganzen: Werde ich sauer, ist die Veranstaltung beendet. Gleich
beim ersten Mal, ohne Warnung.”
Nun, ich hatte keinen Grund zum sauer werden.
Um Verkabelung, Switch und Konfiguration mussten sich die Kids selber
kümmern – ich bin kein PC-Supporter. Einer musste sogar – mit Hilfe
der anderen – gleich am Frei tag seine wurmverseuchte Gurke neu
aufsetzen, weil der Server hier im LAN, der den Sentinel spielt, sich
durch Wurmverbreitungsversuche so genervt fühlte, dass er sich des
sperrangelweit offenstehenden Rechners “bemächtigte” und für viel
Platz auf der Festplatte sorgte (obschon, sie waren in der “orangen
Zone”, das interne LAN war also nie gefährdet). Mit der Folge, dass
Samstag vormittag sechs Jugendliche mir Löcher in den Bauch fragten.
In Sachen Sicherheit und Grundlagen: “Wie funktioniert eigentlich
…”. Hat SPaß gemacht – man merkte, sie waren interessiert und
hatten bisher nur keinen Weg gefunden, ihre Neugier zu stillen (nein,
“das Internet” ist keine sinnvolle Empfehlung; ohne Anleitung ist es
für Unbedarfte schier unmöglich, Spreu vom Weizen zu trennen).
Dass von den Partygästen heute keiner mehr den IE benutzt, betrachte
ich als amüsanten Nebeneffekt. Ich habe es nicht verlangt, nur
“vorgelebt”. So erfolglos, dass einige nicht den von mir präferierten
FF installierten, sondern dass ihnen Opera besser gefiel. Und von
einem weiss ich, dass er seither für Surfen und Mail die
Ubuntu-Live-CD einlegt. Die beiden, die den “Familienrechner”
mithatten, deren ELtern hatte ich übrigens später am Telefon. Und
musste ihnen erklären, warum ihr “PC-Kundiger” ihnen nicht das neu
gesetzte Administrator-PW verraten wollte
– erfolgreich.
Aber hauptsächlich ging es ums Spielen. Natürlich CS. Auch. aber drei
Tage durchgehend wäre das wohl langweilig gewesen. Rund ein Dutzend
Spiele habe ich gezählt, darunter “Klassiker” wie EE usw.
Naja. Zum Schluss haben sie weder die Bude vollgekotzt noch
Passsanten aus dem Hinterhalt erschossen. Nur die Bude sah nachher
aus als wären die Hunnen durchgezogen. Bei der ersten Party – bei den
Folgeveranstaltungen drängte mein Junior darauf, dass man sich mit
Einrichtungen wie “Aschenbecher” und “Mülltonne” vertraut machte (er
musste nach LAN I drei Stunden lang aufräumen und putzen :->)
Jedenfalls, wenn ich mich an Parties erinnere, an denen ich in seinem
Alter teilnahm, und nach denen es schon mal vorkam, dass ich – immer
noch halb im Koma – auf den Stufen eines wildfremden Treppenhauses
erwachte und keinen Plan hatte, wo ich wohl sein könnte, habe ich wirklich keinen Grund zur Beschwerde.
Nur mein sohn brauchte danach umbedingt noch eine ayurvedische Massage zum entspannen vom aufräumen ^^
Mir wars egal, solange er sich von dieser Akademie massieren lässt,
weil dort meine Schwester arbeitet und er sie selber bezahlt 
Danke, Frau Ministerin. Mir scheint, sie schlagen, was das angeht,
das falsche Pferd. Erfreulicherweise tun Sie das noch sehr
zurückhaltend. Es fällt mir zwar sehr schwer zu glauben, dass es wirklich
Politiker gibt, die nicht nach den Methoden “gut ist was für mich
wirbt” und “was ich nicht verstehe muss schlecht sein” verfahren.
Aber immerhin, ihre 100 Tage haben Sie sich verdient.